Auch wenn ein Antifacamp in Dortmund durch die Stadt und Polizei Dortmund verunmöglicht wurde, halten wir an den geplanten Veranstaltungen weitgehend fest. Teilweise werden sich Ort und Uhrzeit kurzfristig ändern. Achtet auf Ankündigungen auf der Startseite.
Ein vielfältiges Angebot an mit Aktionen, Workshops und Kulturprogramm stellt den Rahmen des Camps. Neben einem Schwerpunkt auf antifaschistischer Praxis wollen wir an Thementagen zu Anti-Rassismus, Anti-Militarismus und Sozialer Frage eigene inhaltliche Akzente setzen.
Freitag, 24.08. (Aufbau)
- 10:00 – 18:00 Uhr, Camp: Aufbau
- 19:00 – 21:00 Uhr, Camp: Eröffnungsplenum
Samstag, 25.08. (Auftaktdemo)
- 12:00 – 15:00 Uhr, Dortmund Innenstadt: Auftaktdemo gegen die Verhinderung des Antifacamps
- 18.00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 22:00 Uhr, AZ Mülheim: Konzert mit Yok, Sniffing Glue und Waving the Guns

Sonntag, 26.08. (Kiezspaziergang)
- 10:00 – 11:00 Uhr, Hörde: Antifa-Stadtrundgang in Dortmund Hörde, Alte Benninghofer Str. 16, vor dem Gebäude der Hörder Polizeiwache
11:15 – 15:00 Uhr, Phoenix-See: “Hoesch sind wir” – Veranstaltung zu den Streiks und betrieblichen Auseinandersetzungen bei Hoesch (1969-2012). Es spielt der Liedermacher Fred Ape. Es berichten die ehemalige Betriebsräte und Betriebsaktivisten Willi Hoffmeister und Ulrich Schnabel. Bis 15:00 Antifacamp-Picknick am Phönix-See.- 14:00 – 15:30 Uhr, Bahnhof Langendreer (Bochum): Vorstellung des Antifacamps
- 15:00 – 17:00 Uhr, Innenstadt: Antifaschistischer Stadtteil-Spaziergang (Treffpunkt Mülheim: 13:50 Uhr, AZ | Treffpunkt Dortmund: 14:30 Uhr, Katharinentreppen)
- 16:00 – 17:00 Uhr, Taranta Babu: Vortrag “Nazis in Dortmund”
- 17:00 – 19:00 Uhr, Taranta Babu: Vortrag “Extrem oder demokratisch? Extrem demokratisch!”
- 20:00 – 21:30 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 21:30 – 22:30 Uhr, AZ Mülheim: Workshop “How-to-Radio”
- 21:30 – 22:30 Uhr, AZ Mülheim: Vortrag “Out of Action”
- 22:30 – 24:00 Uhr, AZ Mülheim: Filme “The Truth lies in Rostock“
Montag, 27.08. (Antimilitaristischer Aktionstag)
- 09:00 – 13:00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 11:00 – 13:00 Uhr, Katharinentreppe: Start des antimilitaristischen Aktionstages
- 14:00 – 16:00 Uhr Lübecker Hof (Lübeckerstr. 21): Gedenkveranstaltung an der Dortmunder Hinrichtungsstätte mit dem Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann und Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Opfer der Militärjustiz
- 16:00 – 17:00 Uhr, Schießstand Buschei: Gedenkexkursion und Einweihung einer provisorischen Gedenktafel
- 17:00 – 18:30 Uhr, Taranta Babu: „Krieg beginnt hier“ mit Ludwig Baumann und der Initiative Bundeswehr-wegtreten
- 18:30 – 20:00 Uhr, Taranta Babu: Rassismus im Fußball
- 20:00 – 22:30 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 22:30 – 24:00 Uhr, AZ Mülheim: Mobilierungsveranstaltung gegen die Einheitsfeierlichkeiten
- 22:30 – 24:00 Uhr, AZ Mülheim: Film “Culloden” (Kriegstrauma, 1969)
![]()
Dienstag, 28.08. (Soziale Kämpfe- Aktionstag)
10:00 – 15:00 Uhr, Katharinen-Treppe (Treffpunkt): Soziale Kämpfe-Aktionstag- 15:00 – 17:00 Uhr, Taranta Babu: Zeitzeugenveranstaltung “Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen – 20 Jahre danach”
15:00 – 17:00 Uhr, Camp: Vortrag “Kapitalismuskritik – eine Einführung”16:00 – 18:00 Uhr, Camp: Vortrag “Die größte List des Teufels…” – Zur Kritik der Verschwörungstheorien17:00 – 19:00 Uhr, Neue Ringstrasse 74 in Dortmund-Sommerberg: Kundgebung vor dem Haus der Envio-Verantwortlichen- 17:00 – 19:00 Uhr, Keuninghaus: Neonazismus zwischen Terror, Wahlen und Eventkultur
17:00-19:00 Uhr, Camp: Workshop “Antifa und Männlichkeit“18:00 – 20:00 Uhr, Camp: Organize 1: Vortrag “erfolgreich organisieren”- 19:00 – 22:00 Uhr, AZ Mülheim: Konzert mit Slime, Guts Pie Earshot und Refpolk

Mittwoch, 29.08. (Antirassistischer Aktionstag)
ganztägig Innenstadt: Antira-Aktionen- 10:00 – 14:00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 12:00 – 13:30 Uhr, AZ Mülheim: “Der Weg der Wanderhuren – Zwischen Dortmund und Stolipinovo” – Film, Vortrag und Diskussion
- 15:00 – 17:00 Uhr, Taranta Babu: Über Sarrazin hinaus – der Rassismus in der Leistungsgesellschaft
17:00 – 18:30 Uhr, Camp: Vortrag “Die Jahre der Neonazi-Pogrome (1991 bis 1993) in NRW”- 18:00 – 20:00 Uhr, Haus Wichern (Stollenstr. 36): Diskussions- und Gedenkveranstaltung zum Mord an Mehmet Kubaşik
18:00 – 20:00 Uhr, Camp: Organize 2: Vortrag “Strukturenschutz”s/span>- 21:30 – 23:00 Uhr, AZ Mülheim: Deli-Plenum
22:30 – 24:00 Uhr, Camp: Doku “Ojos que no ven… Víctimas del fascismo desde la transición”24:00 – 01:00 Uhr, Camp: Mitternachtsfilm “Salvador – Kampf um die Freiheit”
Donnerstag, 30.08. (Antifaschistischer Aktionstag)
- 10:00 – 12:00 Uhr, Camp: Workshop “Was tun wenn’s brennt”
11:00 – 15:00 Uhr, Innenstadt: Antifa-Schnitzeljagd- 11:00 – 12:00 Uhr, Camp: Aktionsvorschläge (Dortmund Nazifrei)
- 12:00 – 15:00 Uhr, Innenstadt: Historischer Stadtrundgang – Dortmund in der NS-Zeit (Treffpunkt Steinwache)
- 13:00 – 15:00 Uhr, Camp: Vortrag “Von Arisierung bis Zwangsarbeit”
- 15.00 – 16.00 Uhr, AZ Mülheim: Opferberatung
- 16:00 – 18:00 Uhr, Camp: Anti-Macker Erzählcafé
- 16:00 – 17:00 Uhr, AZ Mülheim: Aktionsvorschläge (Alerta!)
- 16:00 – 18:00 Uhr, Camp: Organize 3: Vortrag/Workshop “Demo 1×1″
- 17:00 – 18:00 Uhr, AZ Mülheim: Aktionsvorschläge (DSSQ)
- 18:00 – 19:00 Uhr, AZ Mülheim: Aktionsvorschläge (Vorabend)
- 18:00 – 20:00 Uhr, Keuninghaus: Das Versteckspiel: Codes, Symbole und Lifestyle der extremen Rechten
- 18:00 – 20:00 Uhr, Camp: Info-Abend von “Dortmund stellt sich quer”
- 19:00 – 21:00 Uhr, Steinwache: Mahn- und Gedenkstätte “Steinwache”: Vortrag: “Carlo Travaglini – ein Dortmunder in der italienischen Resistenza”
- 21:30 – 23:00 Uhr, Camp: Vortrag “Historie der Antifaschistischen Aktion in den 1930er Jahren”
- 21:00 – 23:00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 22:00 – 23:30 Uhr, AZ Mülheim: Film: “161>88″ (Doku über tschechische Antifas. Aktivistin anwesend)
Freitag, 31.08. (Vorabend-Action)
- 10:00 – 12:00 Uhr, Dorstfeld, Wilhelmplatz: Historischer Stadtrundgang
- 10:00 – 12:00 Uhr, AZ Mülheim: Fantifa-Buchvorstellung
- 12:00 – 14:00 Uhr, AZ Mülheim: Fantifa-Workshop
- 13:00 – 15:00 Uhr, Camp: Vortrag: "Was ist los in Kurdistan?"
- 15:00 – 17:00 Uhr, Camp: Workshop zur Opferberatung
- 17:00 – 19:00 Uhr, AZ Mülheim: Krise und Krisennationalismus
- abends: Kein Nazi-Konzert in Lütgendortmund!
- 16:30 Uhr, Bahnhof Langendreer: "Nazirock? Wegrocken!" – Vorabenddemo des Alerta!-Bündnis
- 19:00 Uhr, Dortmund HBF: "Gemeinsam gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg!" – Vorabenddemo von DSSQ
- 23:00 – 24:00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
Samstag, 01.09. (Nazis stoppen!)
- ganztägig: antifaschistische Aktionen

- 11:00 Uhr, U-Bhf Hörde: Blockadetreffpunkt “Dortmund stellt sich quer”
- 11:30 Uhr, Platz von Amiens: Treffpunkt von Alerta!
- 13:00 Uhr, U-Bhf. Kampstraße: Demo “Antifa! Jetzt erst recht.”
- 09:00 Uhr, Clarenberg: Frühstück von Dortmund Nazifrei
- 19:00 – 21:00 Uhr, AZ Mülheim: Plenum
- 21:00 – 24:00 Uhr, AZ Mülheim: Antifa Aftershow Party

Sonntag, 02.09. (Abbau)
- 10:00 – 17:00 Uhr, Camp: Abbau
Camp-Disclaimer
![]()
Liebe Camper_innen!
Für die Zeit vom 24. August bis zum 2. September haben wir uns ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Wir wollen den alljährlichen Aktionswochen der Nazis in Dortmund aktiv begegnen, darüber hinaus aber auch eigene Themenfelder besetzen und zeigen, dass Antifa mehr ist als „nur gegen Nazis“ zu sein.
Ein solches Vorhaben ist nicht nur wegen der Nazis schwierig, sondern auch, weil Polizei und Teile der Stadt unserem Camp nicht gerade wohlwollend gegenüber stehen.
Wir haben uns im Vorfeld entschieden, ein strömungsübergreifendes Camp zu veranstalten. Das ist keine Floskel, sondern ein ernst gemeintes Anliegen, welches wir angesichts der Nazi-Übergriffe, Morde und des weit verbreiteten Alltagsrassismus auch für dringend notwendig halten.
Das Camp ist somit kein Raum für Streitereien. Es wird keinerlei Platz oder Akzeptanz geben für Leute, die meinen, innerlinke Konflikte unsolidarisch austragen zu müssen oder gar ihre Meinung mit Gewalt durchsetzen wollen.
Strömungsübergreifende Projekte standen in letzter Zeit nicht weit oben auf der antifaschistischen Agenda. Für ein erfolgreiches Miteinander trotz bestehender politischer Unterschiede gibt es kein Patentrezept. Aber wir sind sicher, dass es dennoch möglich ist. Der Erfolg des Camps wird von uns allen abhängen und unserem Wunsch, das Camp zu einem angenehmen Ort für alle zu machen, an dem wir uns offen und solidarisch begegnen können. Alle, die die Idee einer strömungsübergreifenden, breit aufgestellten antifaschistischen Zusammenarbeit gut und richtig finden, sind herzlichst eingeladen, die Zeit des Antifacamps gemeinsam mit uns zu gestalten.
Ankündigungstexte
Extrem oder demokratisch? Extrem demokratisch!
Ein Vortrag zur kritischen Auseinandersetzung mit Extremismusklausel und -denken
Für die Zivilgesellschaft und das demokratische Engagement stellt die Einführung der Extremismusklausel durch das Bundesfamilienministerium eine deutliche Behinderung und Einschränkung ihrer Arbeit dar. Sie sehen sich dem Generalverdacht des (Links-)Extremismus ausgesetzt. Von der Klausel betroffen sind Vereine, Träger und Initiativen gegen Nazis und menschenverachtende Einstellungen in der Gesamtgesellschaft. Das, was Betroffen-Sein bedeutet, kann unterschiedlich ausfallen: So können Gelder gestrichen werden, Mitglieder sich bespitzelt fühlen, Projekte scheitern oder mit starken Bauchschmerzen eine Unterschrift geleistet werden. Doch was genau besagt die so genannte Demokratieerklärung und welche Denkweise liegt ihr zugrunde? In dem Vortrag soll es neben einer Einschätzung der Wirkungen und Folgen auch um die politischen Hintergründe des Erklärungszwangs gehen. Wer legt eigentlich fest, wer oder was „extremistisch“ ist? Und wie können Alternativen zum wissenschaftlich höchst umstrittenen Extremismusdenken aussehen und antifaschistisches Engagement gegen Repressionen durch Extremismus-Vorwürfe verteidigt werden?
Der Referent ist aktiv bei der Plattform Extrem Demokratisch
Out of Action
…über traumatisierende Folgen von Polizei- (und anderer) Gewalt und wie wir da wieder raus kommen…
Wer Widerstand leistet, ist zwangsläufig mit Repression konfrontiert. Prügelorgien martialisch uniformierter Robo-Cops, Gas- und Wasserwerfereinsätze, Festnahmen, Überwachung, 129a-Verfahren etc. hinterlassen nicht nur körperliche Verletzungen und juristische Folgen bei uns.
Durch diese Art der Repression und natürlich auch die Auseinandersetzungen mit Nazis hinterlassen auch Spuren an unserer Psyche. Traumatische Gewalterfahrungen, Dauerstress auf Camps oder durch Überwachung und Bedrohung führen dazu, dass Menschen sich aus unseren Zusammenhängen zurückziehen und ganze Szenen zusammenbrechen.
Während erste Hilfe und rechtlicher Beistand schon lange Teil der Antirepressionsstruktur ist, mangelte es an psychologischer Beratung von AktivistInnen für AktivistInnen. In Deutschland gab es während des G8-Gipfels in Heiligendamm erstmalig ein solches Angebot der bundesweiten Gruppe Out of Action.
Wir von der Gruppe Out of Action West (outofaction-west@riseup.net) wollen in einem Vortrag über die Mechanismen und Folgen traumatischer Erfahrungen berichten und Ansätze für hilfreiche Umgehensweisen miteinander vorstellen bzw. diskutieren. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich mit uns in Kleingruppen intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Auf dem Antifa-Camp werden wir wahrscheinlich täglich zu einer bestimmten Zeit anwesend und ansprechbar zu sein.
Rassismus im Fußball
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte während der letzten EM ein großes Problem: Als „Patriot“ schäme er sich, dass während der Spiele in der Ukraine im deutschen Anhang Reichskriegsflaggen zu sehen waren. Für ihn war dies eine Schädigung „unseres Ansehen in Europa und der ganzen Welt“. Der Spieler Mesut Özil musste sich auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook rassistischer Angriffe erwehren. Und auch die übliche Diskussion um das aktive Mitsingen der Nationalhymne war von rassistischen Stereotypen durchsetzt. Bei einer internationalen Meisterschaft brach wieder einmal aus, was eigentlich offiziell nicht mehr zu existieren hat.
Fußball und Rassismus bilden eine Symbiose, die seit Jahrzehnten existiert. Während in den 1980er und 1990er Jahren Rassismus zur Fan-Folklore gehörte und in der Öffentlichkeit kaum als störend wahrgenommen wurde, ist Rassismus als Problem der Fankultur für den Deutschen Fußballbund seit gut sechs Jahren ein Schwerpunktthema. Symbolische Aktionen an Spieltagen der Bundesligen sollen demonstrieren, dass Rassismus in deutschen Stadien nicht mehr präsent ist, sondern kategorisch abgelehnt wird. Der DFB vermittelt somit ein Bild in der Öffentlichkeit, das „weltoffen und tolerant“ ist. Doch wie sieht der bundesdeutsche Alltag im Fußball aus? Gibt es keine rassistischen Sprechchöre mehr auf den Rängen? Der Vortrag wird in einem historischen Rückblick auf die letzten Jahre überprüfen, ob die ambitionierten Ziele und Äußerungen der DFB-Funktionäre auch der Realität entsprechen. Hat es der deutsche Fußball geschafft, trotz weiterhin grassierenden gesellschaftlichen Rassismus, ein Hort toleranter Kultur, fern ab des nationalistischen und rassistischen Alltags zu sein?
Diese Veranstaltung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt
Organize 1: Vortrag “erfolgreich organisieren”
Sich organisieren, das ist leichter gesagt als getan. Ungleiche Arbeitsbelastung, politische oder zwischenmenschliche Konflikte, Stress mit Bullen, Eltern oder Nazis und allgemeine Konzeptlosigkeit sind typische Probleme, mit denen viele Gruppen gleich nach der Gründung konfrontiert werden. Der Vortrag erklärt, weshalb es trotzdem sinnvoll ist, sich in politischen Gruppen zu organisieren, und wie man einen konstruktiven Umgang mit den genannten Problemen finden kann. Zudem werden Themen wie Gruppenstruktur, Kommunikation und Selbstschutz angesprochen und verschiedene mögliche Betätigungsfelder für antifaschistische Gruppen vorgestellt.
Organize 3: Vortrag/Workshop “Demo 1×1″
Im Bereich von linken Aktionsformen nehmen Demonstrationen oft einen sehr hohen Stellenwert ein. Sowohl bei Demos, die als friedliche ?Latschdemo? geplant war, als auch bei offensiveren Gegendemos zu Nazi-Aufmärschen kommt es dabei oftmals zu Konflikten mit der Polizei. Der Workshop soll dabei helfen, solche Situationen im Vorhinein gedanklich durchzuspielen, damit es zu möglichst wenigen bösen Überraschungen kommt. Dabei handelt es sich beispielsweise um die (meist widerrechtlichen) massiven Filmaufnahmen, die Spalierbegleitung von Demos und Verhaftungstaktiken. Wie man sich selbst in so einem Fall verhält, kann die Situation stark beeinflussen. In unserem Vortrag geben wir daher praxistaugliche Ratschläge zum richtigen Verhalten auf Demonstrationen, bei Festnahmen und bei Vorladungen durch Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichte. Abseits von den geplanten Inhalten, stehen die Referent_innen natürlich für alle Fragen rund ums Thema zur Verfügung.
“Die größte List des Teufels…”
Zur Kritik der Verschwörungstheorien
Verschwörungsmythen sind fast allgegenwärtig: im Alltag, in der Populärkultur, in der Politik. Ihre Verfechter sind Linke und Rechte, Religiöse und Säkulare, Einzelne oder ganze Gruppen, und so ziemlich alle(s) dazwischen. Sie ‘wissen’ wer Kennedy ermordete, die Bilder von der Mondlandung fälschte oder die Fabrik nebenan schließt, wer Krankheiten und Drogen in die Welt oder Fluorid ins Wasser bringt, warum Elvis noch lebt, zwei Türme in New York einstürzten oder Herrschaft, Ausbeutung und Leiden unser aller Leben prägen. Obwohl sich Verschwörungsmythen mit unendlich vielen Einzelheiten und Details umgeben, ist ihre Form die Erklärung der Welt aus einem Punkt, und mit klaren, mächtigen, und gerade deshalb verborgenen und bedrohlichen Verantwortlichen. In ihnen „besteht die größte List des Teufels […] gerade darin, den Glauben zu erwecken, er existiere überhaupt nicht“ (Léon Poliakov).
Vor dem Hintergrund einiger populärer Theoreme über die Anschläge vom 11. September 2001 und ihre Folgen wird die Veranstaltung in die Geschichte, Struktur und Funktion von Verschwörungsmythen und des paranoiden Denkens einführen. Im Mittelpunkt soll dabei deren Form der Erklärung der Welt stehen, die Frage warum sie Wirkungsmacht entfalten und ob wir aus ihnen etwas über das Ereignis, oder über die Einzelnen und die Gruppen, die sie sich aneignen und über den Zustand ihrer Gesellschaft erfahren.
Neonazismus zwischen Terror, Wahlen und Eventkultur
Ein Überblick über die Entwicklung der Neonaziszene mit Schwerpunkt auf NRW
Ein “schwarzer Block”, Parolen wie “Fight the system!”, gepiercte Neonazis mit Sportschuhen und Carhartt-Jacken: Das soll ein Neonazi-Aufmarsch sein? Und was meinen Neonazis, wenn sie beispielsweise in Dortmund “Gegen Krieg und Kapitalismus” demonstrieren? So einiges hat sich seit dem Verbot diverser Neonazi-Parteien in den neunziger Jahren verändert. Die Szene hat sich geöffnet für Einflüsse aus anderen Jugendkulturen, sie ist “bunter” geworden und hat davon profitiert. Die NPD ist gestärkt aus der Verbotswelle hervorgegangen, hat sich radikalisiert und ist jugendkompatibler geworden. Seit 2004 ist sie zudem nach einigen Jahrzehnten Abwesenheit wieder in – aktuell zwei – Länderparlamenten anzutreffen. Andere Neonazis favorisierten die Gründung “Freier Kameradschaften” oder wählten den Weg in den Untergrund, um auf Naziterror zu setzen. Eine dieser Gruppen war die heute als “Zwickauer Zelle” oder “Nationalsozialistischer Untergrund” bekannte, auf deren Konto u.a. mindestens zehn Morde gingen, davon einer in Dortmund. Der Vortrag gibt einen Überblick über Veränderungen und Kontinuitäten im Neonazispektrum mit Schwerpunkt auf NRW.
Diese Veranstaltung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt
Antifa und Männlichkeit
Was ist überhaupt Männlichkeit? Was macht Antifa-Politik aus und wieso ist sie an so vielen Punkten besonders bei jungen Männern beliebt? Warum gibt es auch in der Antifa Unterdrückungsverhältnisse? Die Gesprächs- und Entscheidungsstrukturen und die Ausrichtung der Antifa-Politik gehören auf den antisexistischen Prüfstand. Wir reden über Symbole und Idole, um Tücken der alltäglichen Antifa-Arbeit, samt Heldentum und Revierverhalten. Unterdrückungsmechanismen schaffen sich aber nicht von selbst ab, nur weil sie vielfach in Diskussionen erkannt und benannt werden. Es geht also um die Entwicklung neuer Perspektiven und um konkrete Umsetzungsmöglichkeiten. Antifa ist zu wichtig, als es nur bei Kritik zu belassen. Dieser Workshop ist frei für alle Geschlechter. | Mehr Infos: antifaundmaennlichkeit[at]wordpress.com
Über Sarrazin hinaus – der Rassismus in der Leistungsgesellschaft
Die Sarrazindebatte führte zu einer breiten gesellschaftlichen Verschiebung nach rechts, zu enttabuisiertem rassistischen Denken und verband in besonderer Weise Rassismus im Elite- und Nützlichkeitsdenken. Auch knapp zwei Jahre nach der Erscheinung von „Deutschland schafft sich ab“ zeigt sich, dass die in der Debatte wesentlichen Konfliktlinien noch immer Bestand haben: Während die eng an Sarrazin Hängenden auf Biologisierungen und Naturalisierungen zurückgreifen, argumentiert eine Reihe von erklärten Sarrazingegner_innen mit dem Leistungspostulat. Am Beispiel der Sarrazindebatte lassen sich die Kontexte gegenwärtiger Auseinandersetzungen aufzeigen.
Der Referent ist Redakteur bei kritisch-lesen.de
Diese Veranstaltung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt
Diskussions- und Gedenkveranstaltung zum Mord an Mehmet Kubaşik
Am 4. April 2006 wurde Mehmet Kubaşik in seinem Kiosk in der Mallinckrodtstr. vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordet.
Die Familie Kubaşik organisierte mit der kurdischen alevitischen Gemeinde einen Trauermarsch. Sie vermuteten die Täter im Nazi-Spektrum. Die staatlichen Behörden (Polizei, Staatsanwaltschaft, Geheimdienste) ermittelten ausschließlich in Richtung des Opfers, seiner Familie und Freund_innen. Eine breite öffentliche Solidarisierung mit der Familie blieb aus.
Im Herbst 2011 wurde bekannt, dass organisierte Neonazis die Mordserie begangen hatten, bei der sie insgesamt neun Männer mit migrantischem Hintergrund, darunter Mehmet Kubaşik, und eine Polizistin ermordet hatten.
Bei der Veranstaltung möchten wir darüber diskutieren, was die Aufdeckung der rassistischen Mordserie des „NSU“ im Herbst 2011 und damit der Erkenntnis, dass Mehmet Kubaşik von Nazis ermordet wurde, für uns jeweils bedeutet.
Es werden sprechen: Vertreter der Alevitischen Gemeinde, des deutsch-kurdischen Kulturvereins, von Dakme, dem alevitischen Kulturzentrum, Vertreter der Bündnisse Alerta!, Dortmund stellt sich quer, Dortmund Nazifrei, eine Mitarbeiterin des Bundestagsuntersuchungsausschusses zu den Morden des „NSU“, ein ehemaliger Anwohner der Keupstr./Köln, und alle, die es wollen.
Es wird kulturelle Beiträge geben unter anderem von der Kölner Rap-Band Microphone Mafia.
Historischer Stadtundgang: Dortmund in der NS-Zeit
Standrundgang zum Thema Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945
Während dieses ca. 3-stündigen Stadtrundgangs wird an den Widerstand gegen das NS-Regime in Dortmund erinnert sowie über das Ausmaß und die Organisierung der Verfolgung und Vernichtung von Nazi-Gegnern, Juden und Sinti und Roma informiert. Wir machen u. a. Station am Brügmannpark, am Nordmarkt und am Standort der alten Synagoge. Nach dem Stadtrundgang werden wir noch die Gelegenheit haben die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache zu besuchen.
Treffpunkt: vor der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Diese Veranstaltung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt
Das Versteckspiel: Codes, Symbole und Lifestyle der extremen Rechten
Symbole und Codes in der neonazistischen Szene haben eine enorme Bedeutung für ihre Trägerinnen und Träger. Sie teilen verdeckt oder offen eine politische Orientierung mit und sind für die meisten Außenstehenden eine Fremdsprache. Verbote werden zumeist kreativ umgangen, die allerwenigsten der präsentierten Symbole sind strafrechtlich relevant. Dennoch sagen sie einiges über diejenigen aus, die sie sich zu eigen machen. Der Vortrag beleuchtet die in der neonazistischen Szene verwendeten Codes, Symbole und Bekleidungsmarken und analysiert sie im Kontext eines entsprechenden Lifestyles. Hierbei wird auch auf die noch relativ neue Erscheinungsform der sogenannten „Autonomen Nationalisten“ eingegangen, deren Dresscodes und Habitus sich innerhalb der neonazistischen Szene großer Beliebtheit erfreuen.
Fantifa Buchvorstellung/Workshop
Feministischer Antifaschismus oder alles Macker in der Antifa? In den männlich dominierten Antifa-Politiken gab es immer wieder feministische Interventionen. In den späten 80er Jahren bildeten sich z.B. vielerorts Fantifa-Gruppen, also feministische Frauen Antifa-Gruppen. Zum einen richteten diese sich gegen fortgesetzten Sexismus innerhalb linker Strukturen, zum anderen wurde proklamiert, dass eine Bekämpfung von Neofaschismus und Rassismus ohne den gleichzeitigen Kampf gegen Sexismus nicht viel Sinn habe. Obwohl sich auch bis heute nicht viel an der männlichen Dominanz geändert hat, sind feministische Interventionen seltener geworden. In diesem Workshop wollen wir diese männlich dominierten Strukturen genauer untersuchen und aufzeigen, warum feministische Auseinandersetzungen weiterhin dringend notwendig sind. Wie könnte z.B. eine feministische Antifa-Praxis aussehen?
Da es in der Analyse viel um eigene Erfahrungen und auch (Selbst)reflexion gehen soll, richtet sich dieser Workshop an alle, die in antifaschistischen Strukturen aktiv sind oder waren oder aber demnächst damit einsteigen wollen.
Mit Autorinnen des Kapitels “Feminismus und Antifa – zwei Dinge, die nicht zusammpassen?” aus dem Buch “Darum Feminismus!”
Diese Veranstaltung wird von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und vom FrauenLesbenReferat Köln unterstützt
Historischer Stadtspaziergang in Dorstfeld
Referent_innen: Internationales Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB) e.v. und/oder Bochumer Geschichtswerkstatt
Die Teilnehmenden besuchen Orte von Verfolgung und Widerstand. Mit diesem Rundgang soll ein Beitrag zur Erinnerungarbeit mit lokaler Verankerung geleistet und dem Vergessen entgegen getreten werden. Die Verbrechen des Nationalsozialismus werden so noch einmal in Erinnerung gerufen und der Forderung nach einem angemessenen Umgang mit der Vergangenheit Nachdruck verliehen.
Krise und Krisennationalismus
Referent_in Phase2 und Top Berlin
Die Krise ist in aller Munde. In der Krise sind angeblich keine politischen Gestaltungsmöglichkeiten geblieben (There is no alternative). Die Märkte zürnen und quer durch alle parteien wird orakelt, was sie denn zufrieden stellen könnte. Und dazu werden allerhand Einschnitte in den Lebensstandart der Lohnabhängigen in den Europäischen Staaten vorgenommen. Doch was ist diese Krise eigentlich? Handelt es sich überhaupt um eine Krise oder um viele? Wer hat sie verursacht und uns das alles eingebrockt? Und wird der Kapitalismus in dieser Krise letztendlich zusammenbrechen. Diese Fragen werden wir im ersten Teil dieses Workshops bearbeiten.
Im zweiten Teil des Workshops wollen wir uns mit der kollektiven Identität der Nation als einer „Struktur kultureller Macht“ (Hall 1994) bzw. dem Nationalismus, sowie deren diskursiven Konstruktion und Vermittlung, vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise in Europa beschäftigen. In dieser Krise sind die Auswirkungen nationalistischen Denkens überall sicht-, les- und erfahrbar. Ausdruck der damit verbundenen Abwertung von und stereotyper Zuschreibungen gegenüber „den Anderen“, wurde z.B. die bereits oft zitierte Berichterstattung der BILD-Zeitung und ihre Aufforderung an die „Pleitegriechen“ (BILD-Zeitung, 27.10.2010) zur Tilgung ihrer Schulden ihre Inseln zu verkaufen. Diese Aufforderung durch die Boulevardpresse stellt jedoch keinen populistischen Einzelfall dar. Die Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems bedeutet eine Neuverhandlung Europas sowohl auf politischer, wirtschaftlicher als auch auf kultureller Ebene. Deutschland nahm und nimmt in Folge dessen eine besondere Stellung im aktuellen europäischen Machtgefüge ein und bestimmt die Ausgestaltung bzw. Umsetzung der derzeitigen Krisenbewältigungsstrategien seitens der EU maßgeblich mit. Die dabei zutage tretenden deutschen „Überlegenheitsgefühle“ (Monday 2012), sind en g verknüpft mit der rücksichtslosen Durchsetzung nationaler Interessen und der Begünstigung exkludierender und rassistischer Tendenzen (vgl. Monday 2012) in Europa. Ziel des Workshops wird es sein diese Tendenzen nationalistischen Denkens aufzuzeigen und die Ursachen, die diesen Entwicklungen zugrunde liegen, zu analysieren. Dabei wird es, nach einer Einführung in die Geschichte von Nation und nationaler Identität, vor allem darum gehen herauszuarbeiten in welchem Verhältnis Kapitalismus und Nationalismus zueinander stehen und mithilfe welcher Bilder und Aussagen scheinbar allgemeingültige Vorstellungen von Nation und Gesellschaft „im Bewusstsein der Subjekte“ (Jäger, 2007) verankert werden.
Der Weg der Wanderhuren – Zwischen Dortmund und Stolipinovo
Tatort Dortmund. Eine junge Prostituierte, eine Roma namens Puppy, wird von einem Freier aus dem Fenster seiner Wohnung geworfen. Sie überlebt nur knapp und wird für den Rest ihres Lebens gezeichnet sein. Im Mai 2011 war der Straßenstrich in Dortmund geschlossen worden. Zu viele Anwohner der Dortmunder Nordstadt hatten sich beschwert. Ziel der Aktion war es, die ungeliebten Roma-Prostituierten loszuwerden. Man hoffte, sie würden dahin zurückkehren, wo sie hergekommen waren. Doch die Rechnung ging nicht auf. Denn in ihrem Heimatland Bulgarien haben die jungen Frauen keine Perspektive. Sie blieben in Dortmund und arbeiten nun im Verborgenen und manchmal unter großer Gefahr, wie Puppys Schicksal zeigt. Zwischen Stolipinovo und Dortmund fahren mehrmals in der Woche Kleinbusse hin und her. Dann natürlich kommen trotz der Schließung des Straßenstrichs immer noch Frauen aus Stolipinovo. Und das wird auch so bleiben, solange sich die Verhältnisse dort nicht ändern. Der Film erzählt von Puppy und ihrer Familie, von ihrem Leid, von ihrem Alltag und von ihrer Hoffnung, eines Tages ein besseres Leben zu haben. Eines, in dem sie erwünscht sind.
Workshop zur Opferberatung
Mitarbeiter_innen der Potsdamer Vereins „Opferperspektive“-Beratungsstelle für die Opfer rechter Gewalt stellen in einem Vortrag die Schwerpunkte ihres Arbeit vor und erläutern darüberhinaus die Entstehungsgeschichte und Konzepte ihrer täglichen Arbeit.
Auch zu dem ambivalenten Verhältnis von Beratungsstelle und Geschädigten gegenüber staatlichen Stellen und der Frage der oft schwierigen Finanzierung solcher Projekte, wird anhand der Brandenburger Situation versucht Stellung zu beziehen.
Carlo Travaglini – ein Dortmunder in der italienischen Resistenza
Carlo Travaglini wurde am 2. November 1905 als Sohn des italienischen Offiziers Vincenzo Travaglini und der Deutschen Hedwig Müller in Dortmund geboren. Er wuchs in Dortmund auf und studierte in Köln. Nach seiner Doktorarbeit in Literatur arbeitete er als Journalist. Schon 1933 eckte er bei den neuen Machthabern an und verlor seine Anstellung in Olpe.
1936 wurde er in Berlin von der GeStaPo verhaftet und in ein KZ verschleppt. Seine Doppelte Staatsbürgerschaft rettete ihn und mit 32 Jahren wurde er 1937 als „unerwünschter Ausländer“ nach Italien ausgewiesen.
Ein außergewöhnliches Partisanenleben …
Was Carlo Travaglini nach seinem Eintritt in die antifaschistische Resistenza 1943 tat, hört sich wie ein Parkour-Ritt durch alle Facetten des militanten Widerstands an. Und mehr noch. Es ist wie eine reale Vorlage für den Hauptmann von Köpenick und den Protagonisten aus Ernst Lubitsch „Sein oder Nichtsein“. Eine Mischung aus einem Mailänder Oskar Schindler und Tarantinos „Inglourious Basterds“. Sein Mut und seine Dreistigkeit suchten ihres Gleichen.
Er unterwanderte die deutsche Militäradministration und entließ mit gefälschten Papieren inhaftierte Zwangsarbeiter. Er organisierte Sprengstoffanschläge auf deutsche Militäreinrichtungen, flog auf und mußte fliehen, kämpfte als Partigiano in den Bergen, kehrte nach Mailand zurück und organisierte in einer kleinen Gruppe atemberaubende Attentate.
… und ein unbekanntes Partisanenleben
Keiner politischen Ideologie und Partei zuzuordnen, verweigerte sich Carlo Travaglini der Funktionalisierung und Verwertung der Resistenza im Italien der Nachkriegszeit. So erhielt sein Engagement in der antifaschistischen Resistenza auch keinen Einzug in die offizielle Geschichtsschreibung.
Der Historiker und langjährige Mitarbeiter des Mailänder ISEC (istituto per la historia dell‘ eta contemporanea), Luigi Borgomaneri, hat zu der Geschichte des gebürtigen Dortmunders geforscht.
Am 30. August wird er das bewegte Leben von Carlo Travaglini in dessen Heimatstadt vorstellen.
Veranstaltet von der Geschichtswerkstatt Dortmund
Nazis in Dortmund
Der Vortrag “Neonazismus in Dortmund” beschäftigt sich mit der Entwicklung der Naziszene in Dortmund. In einem ersten Teil geht es um die Entstehung von Nazistrukturen vor Ort. Es folgt ein kurzer historischer Abriss von der Etablierung des Konzeptes der “Freien Kräfte” über das Aktionsbüro Westdeutschland bis hin zu den “Autonomen Nationalist_innen”, die in Dortmund eine Vorreiterrolle für das gesamte Bundesgebiet eingenommen haben. Der Fokus des Vortrags liegt auf der Betrachtung des bewegungsförmigen Neonazismus. Dazu wird eine aktuelle Bestandsaufnahme in Bezug auf die aktivsten Neonazigruppierungen: Den Nationalen Widerstand Dortmund (NW DO), die Skinheadfront Do-Dorstfeld, sowie rechten Fußballanhänger_innen dargestellt.
Abschließend sollen Kontinuitäten und Veränderungen im Umgang mit den Neonazis vor Ort thematisiert und diskutiert werden.
Der Vortrag richtet sich vor allem an Leute von außerhalb, die sich einen Überblick über Neonazismus in Dortmund verschaffen wollen.
Die Jahre der Neonazi-Pogrome (1991 bis 1993) in NRW
es berichten Antifaschisten aus NRW, die damals und heute politisch aktiv sind
Die frühen 1990er Jahren waren in der BRD geprägt von einer mörderischen Welle neofaschistischer Pogrome und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und Häuser von Migrant*innen. Ein Höhepunkt war das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen, das sich diesen Sommer zum zwanzigsten Mal jährt. Doch auch in Nordrhein-Westfalen gab es Attacken. So starben bei einem Brandanschlag 1993 in Solingen fünf Menschen. Antifas von damals, die auch heute noch aktiv sind, berichten aus der Zeit.
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Doku: “Ojos que no ven… Víctimas del fascismo desde la transición”
Die Dokumentation – hier mit deutschem Untertitel – thematisiert die extreme Rechte und deren tödlichen Anschläge seit der „Transición“, dem Übergang vom Franco-Faschismus zum Ende der 1970er Jahre. Bis heute sind in Spanien rund einhundert Personen von Faschisten getötet worden, darunter aktive Linke, Immigranten, Schwule, Lesben und Transsexuelle sowie Angehörige der baskischen oder katalanischen Unabhängigkeitsbewegungen.
Dokumentation: Spanien, 2011 (OmU, deutscher Untertitel), 49 min
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Mitternachtsfilm: “Salvador – Kampf um die Freiheit”
In den letzten Jahren vor dem Ende des faschistischen Franco-Regimes in Spanien kämpfte die Gruppierung „MIL“ (Movimiento Ibérico de Liberación) gegen die Diktatur. Die ideologisch am Anarchismus orientierte Gruppierung führt in dem Spielfilm eine Serie von Raubüberfällen durch, um ihre oppositionellen Aktivitäten finanzieren zu können. Salvador Puig Antich ist einer der idealistischen jungen Mitglieder von MIL. Die Polizei nimmt die Gruppe zunächst nicht ernst, versucht aber schließlich doch, sie dingfest zu machen.
Film: Spanien, 2006 (deutsch), 134 min
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Von Arisierung bis Zwangsarbeit”
Verbrechen der Wirtschaft an Rhein und Ruhr 1933 bis 1945, Vortrag von Ulli Sander (VVN-BdA NRW)
Ulli Sander ist Herausgeber eines kürzlich erschienenden Buches zur Rolle von Wirtschaftsführern und Unternehmen bei den faschistischen Planungen für Krieg und Massenmord, als Akteure und insbesondere als Profiteure. Von Abs bis Zangen, von Flick bis Quandt, von IG Farben bis Oetker-Pudding, von Arisierung bis Zwangsarbeit.
Referent*innen: Ulli Sander (VVN-BdA NRW)
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Info-Abend von “Dortmund stellt sich quer”
Nach vier Jahren politischer Arbeit präsentieren sich Aktive des “DortmundQuer”-Bündnisses aus Dortmund und Nordrhein-Westfalen. Wer schon immer mal etwas fragen wollte, aber bisher nie Gelegenheit hatte, ist herzlich eingeladen. Es wird international!
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Historie der Antifaschistischen Aktion in den 1930er Jahren
Das Antifa-Logo gilt inzwischen europaweit als Zeichen einer meist jungen, radikalen Bewegung gegen Neonazis und Rassismus. Hierzulande wissen es noch einige, doch in anderen Ländern ist oft unbekannt, dass das Antifa-Logo historischen Bezug nimmt auf eine gleichnamige Initiative der damaligen KPD) der 1930er Jahre. Der Vortrag beleuchtet die Zustände im damaligen Deutschen Reich der 1920/30er Jahre, die zur Gründung der historischen „Antifaschistischen Aktion“ führten.
Referent*innen: Antifaschistische Linke Berlin (ALB)
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Was ist los in Kurdistan?
Im Zuge des sog. „Arabischen Frühlings“ kommt es auch in Kurdistan zu erheblichen Veränderungen. In der Türkei/Kurdistan ist erneut der offene Krieg zwischen dem türkischen Militär und der kurdischen Guerilla ausgebrochen. In Syrien haben dagegen kurdische Volksräte erste Städte und Gemeinden übernommen. Die sich auf Abdullah Öcalan beziehenden Kräfte streben eine “Demokratische Autonomie” an, die auf Geschlechterbefreiung, Rätedemokratie und Ökologie basiert. Wie sieht das in der Praxis aus, welche Möglichkeiten hat die kurdische Befreiungsbewegung?
Referent*innen: Kampagne “Tatort Kurdistan” und YXK (Kurdischer Studierendenverband)
Veranstaltet von “Dortmund stellt sich Quer! (DSSQ)”
Zeitzeugenveranstaltung: Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen – 20 Jahre danach
Rostock-Lichtenhagen, August 1992: Über mehrere Tage wütet ein rassistischer Mob aus “braven” Deutschen und organisierten Neonazis gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge und ein Wohnheim ehemaliger vietnamesischer DDR-Vertragsarbeiter_innen. Steine und Molotov Cocktails flogen. Der Staat ließ die Brandstifter gewähren. Zynisch nutzten die großen Volksparteien das Pogrom, um die lang diskutierte Änderung des Artikels 16 zu vollziehen. Kurz gesagt: Die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.
Der Vortrag beleuchtet die Hintergründe und die mörderischen Folgen des Pogroms aus Sicht eines aktiven Antifaschisten aus dieser Zeit.
Nazirock? Nazis wegrocken!
31.08.2012 | 16:30 Uhr | Bahnhof Langendreer | Demonstration des “Alerta!-Bündnis”
Uns reicht es nicht, die Nazis lediglich aus der Innenstadt zu verdrängen: Wir haben keinen Bock auf Nazis – egal ob in der Dortmunder-Innenstadt, in Vororten oder sonstwo –, deswegen werden wir am 31. August vom S-Bahnhof Langendreer in das Zentrum von Lütgendortmund ziehen und das Konzert des “Nationalen Widerstands” zu einem Desaster machen.
Dass die Nazis ihr Konzert in Lütgendortmund abhalten wollten, ist kein Zufall: Der Stadtteil ist seit etwa zwei Jahren im Fokus der Rechten. Den Aufhänger dafür bot die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft im April 2011 in diesem Stadtteil. Im letzten Jahr veranstalteten sie einen Aufmarsch mit 150 Teilnehmer_Innen gegen das Flüchtlingsheim, der von Teilen der Lütgendortmunder Einwohnerschaft begrüßt wurde. Die Nazis bemerkten diesen fruchtbaren Nährboden und fielen seitdem immer wieder durch rassistische Agitationen im Stadtteil auf. | Kompletten Aufruf lesen
Gemeinsam gegen Faschismus, Imperialismus und Krieg!
31.08.2012 | 19:00 Uhr | Dortmund Hbf | Demonstration von “Dortmund stellt sich quer”
Das Bündnis “Dortmund stellt sich quer” ruft zu einer internationalistischen Demonstration am Vorabend des Antikriegstages auf, um ein Zeichen gegen Kriege, Rüstungsexporte und Atomwaffen zu setzen.
Gemeinsam mit der internationalen Antikriegsbewegung erinnern wir an den Überfall Deutschlands auf Polen und damit an den Beginn des Zweiten Weltkriegs. An verschiedenen Stationen in der Nordstadt wollen wir den von Nazis ermordeten AntifaschistInnen ebenso wie dem von der Zwickauer Terrorzelle NSU ermordeten Mehmet Kubaşık gedenken. | Kompletten Aufruf lesen
Blockadetreffpunkt von Alerta!
01.09.2012 | 11:30 | U-Bahn Haltestelle Karl-Liebknecht-Straße
Es ist momentan unklar, wann der Naziaufmarsch genau beginnt. Während die Lokalpresse berichtete, dass der Aufmarsch zwischen 14:00 und 22:00 Uhr stattfinden soll, mobilisieren die Nazis für 12:00 Uhr.
Wir mobilisieren auf 11:30 Uhr zur U-Bahn-Haltestelle Karl-Liebknechtstraße.
Anreiseempfehlungen von Alerta!
Auch in diesem Jahr wird die koordinierte gemeinsame Anreise zu den Aktionen in Dortmund Teil des Alerta-Konzeptes sein. Wir empfehlen anreisenden Antifaschist_innen deshalb, wenn möglich über folgende Zugverbindungen anzureisen: Konzept
Blockadetreffpunkt “Dortmund stellt sich quer”
01.09.2012 | 11:00 Uhr | Schlanke Mathilde
Das DortmundQuer-Bündnis ruft zu Blockaden des Aufmarsches auf. Treffpunkt: Samstag, 1.9.2012 um 11 Uhr, U-Bhf. Hörde an der “Schlanken Mathilde” (eine großen dünnen Uhr) [Stadtplan]. Ziel ist eine Sitzblockade auf der Route des Nazi-Aufmarsches. Rein symbolischer Protest ist mit uns nicht zu machen. link
Frühstück von Dortmund Nazifrei
01.09.2012 | 09:00 Uhr | Clarenberg
Am 01.09. laden wir, um 09:00 Uhr, zu einem Frühstück in der Wilhem-Schmidt-Straße 5-7, (Clarenberg) Hörde ein, um gestärkt dem Naziaufmarsch entgegen zu treten. | Infos
Buchvorstellung “Fantifa”
Teile des Herausgeber_innenkollektivs lesen auf dem bald erscheinenden Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politiken”.
Feministische Antifa oder Frauen-Antifa Gruppen entstanden in den frühen 1990er Jahren, meist als Reaktion auf einen fortgesetzten Sexismus in männlich dominierten Antifa-Zusammenhängen. Heute gibt es nur noch wenige solcher Fantifa-Gruppen und auch in der antifaschistischen ?Geschichtsschreibung? spielen sie kaum eine Rolle. Das Buch ?Fantifa. Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik? will das ändern. Es geht den Spuren nach, lässt Aktivistinnen zu Wort kommen, beleuchtet aktuelle feministische Antifa-Arbeit, erläutert inhaltliche Schwerpunkte, fragt nach, was aus Fantifa-Gruppen wurde, eröffnet einen Blick auf die Möglichkeiten männlicher antisexistischer Handlungsräume und diskutiert die fortgesetzte Notwendigkeit feministischer Perspektiven in antifaschistischer Politik.
Interviews mit Aktivistinnen werden ausführlich durch das Herausgeber_innenkollektiv eingeführt und durch Originaldokumente illustriert. Die vergangenen und aktuellen Debatten um Feminismus, Antisexismus und Antifaschismus sollen so zusammengebracht werden.
The only good nation is imagination
Mobilierungsveranstaltung gegen die Einheitsfeierlichkeiten
Am 3. Oktober lädt die bayerische Staatsregierung anlässlich des Tages der deutschen Einheit die Fans der Nation zum „fröhlichen Fest in Schwarz-Rot-Gold unter dem weiß-blauen Himmel Bayerns“. Eine Einladung, die wir getrost ausschlagen.
Film “Culloden” (Kriegstrauma, 1969)
Ein Film der BBC über die Schlacht bei Culloden (1746) aus dem Jahre 1964 als erschütternde Anklage gegen den Krieg. Culloden war der erste Film von Peter Watkins und ist eine fiktive Reportage über eine Schlacht zwischen Engländern und Schotten. In diesem Film nimmt Peter Watkins Elemente seiner zwei Jahre später entstanden Produktion “The war game” vorweg.
Film: Culloden (69 min)
Film: “161>88″
Der Film über die tschechische Antifa dokumentiert die Geschichte des tschechischen Antifaschismus nach der Wende. Der Film weisst u.a. auf den Rassismus der tschechischen Gesellschaft hin, der auch durch die tschechischen mainstream-Medien reproduziert wird. Er veranschaulicht die Entwicklung der tschechischen Neonazi Szene.
Der Film ist ganz neu und wurde bislang nur einmal öffentlich in Tschechien gezeigt. Die deutsche Premiere findet auf dem Antifacamp statt
Film: 93 min, deutsche Untertitel
Film: “The Truth lies in Rostock”
Vom 22. bis 26. August 1992 griff ein Mob aus Neonazis und ganz normalen Deutschen über Tage hinweg die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber*innen in Mecklenburg-Vorpommern und das direkt angrenzende Wohnheim ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Während Verantwortliche in Stadt und Land die Ereignisse trotz Ankündigen schlicht aussaßen, überließ die Polizei den Angreifenden weitestgehend ungestört das Feld und damit die Migrant*innen sich selbst. Die Anwohner*innen verfolgten indessen wohlwollend vom Balkon oder der Imbissbude nebenan aus die Ereignisse.
Die Dokumentation „The Truth lies in Rostock“ gibt einen detaillierten Überblick über die Geschehnisse der Pogromtage und ihre Auswirkungen von der „Evakuierung“ der Flüchtlinge und ehemaligen VertragsarbeiterInnen bis hin zur Debatte um die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Sie vereinigt dabei Bilder aus dem Inneren des Vertragsarbeiter*innen-Wohnheims unmittelbar während der Angriffe und Gespräche mit den Angegriffenen mit sprachlos machenden Interviews von Verantwortlichen offiziellerseits, Anwohner*innen und Angreifer*innen.
Film: The Truth lies in Rostock (R: Mark Saunders, D 1993, 81 min)
Anti-Macker Erzählcafé
“Warum Frauen moderieren, während Männer den Schutz machen… – oder ist heute alles ganz anders?” In einem Erzählcafé soll hier gemeinsam über unsere alltäglichen Arbeitsteilungen und Geschlechterklischees diskutiert werden – die Expert_innen dafür sind wir selbst!
Das Programm des Antifacamps wird unterstützt vom Ökofonds der Grünen NRW.
Bei Allen Veranstaltungen gilt:
Die Veranstalter_innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten und/oder rassistischen Parteien, Organisationen oder Szenen angehören bzw. bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.